Rede des Herrn Generalkonsul Ahmet Davaz anlässlich des 98. Jahrestages der Gründung der Republik Türkei
Ahmet Faik Davaz
29.10.2021
Sehr geehrter Landrat des Kreises Warendorf, Herr Dr. Olaf Gericke,
Sehr geehrter Stellvertretender Landrat des Kreises Paderborn, Herr Hans-Bernd Janzen,
Sehr geehrter Leitender Regierungsschuldirektor Herr Hermann Voss,
Sehr geehrter Bürgermeister der Stadt Münster, Herr Klaus Rosenau,
Sehr verehrter Stellvertretender Bürgermeister der Stadt Ahlen, Herr Serhat Ulusoy,
Sehr verehrter Geschäftsführer des Münster/Osnabrück Flughafens Herr Prof. Dr. Rainer Schwarz,
Meine sehr verehrten Mitglieder der türkischen Gesellscahft,
Sehr verehrte Mitglieder der Syrisch-Orthodoxen Gemeinde,
Sehr geehrte deutsche Freunde,
Sehr verehrte Mitarbeiter:innen unseres Generalkonsulats,
Meine Damen und Herren,
Zu unserem Empfang anlässlich des 98. Jahrestages der Gründung der Republik Türkei heiße ich Sie alle mit meiner Frau Katina recht herzlich willkommen.
Leider konnten wir unseren Nationalfeiertag im vergangenen Jahr aufgrund der weltweiten Covid-19-Pandemie nicht gemeinsam begehen. Dank des wissenschaftlichen Fortschritts im Kampf gegen die Epidemie freuen wir uns sehr, in diesem Jahr mit Ihnen, unseren verehrten Landsleuten und deutschen Freunden, wieder zusammen zu sein.
Der 29. Oktober 1923 ist für uns Türken nicht nur ein Gründungsdatum der Türkischen Republik. Der 29. Oktober ist die Geburtsstunde eines neuen Staates, der seine Fundamente auf jahrtausender langer historischer und kultureller Werte aufbaut, und der die erneute Auferstehung einer Nation nach dem Unabhängigkeitskrieg besiegelt.
Der 29. Oktober 1923 ist auch der Beginn der Gründung der modernen Türkischen Republik und der Schritte zur Modernisierung, ebenso wie das Jahr 1648, das als Beginn der Neuzeit in Europa gilt. Insofern finde ich es bedeutsam, unseren Tag der Republik an diesem historischen Ort der Unterzeichnung des Westfälischen Friedens von 1648 zu feiern, und möchte insbesondere der Stadt Münster für diese Gelegenheit meinen Dank aussprechen.
Die Türkei, die bei ihrer Gründung nur 13 Millionen Einwohner zählte, hat sich zu einem starken und wohlhabenden Land mit einer jungen und gebildeten Bevölkerung von 84 Millionen, wettbewerbsfähigen Arbeitskräften, einem dynamischen Privatsektor und einer Infrastruktur entwickelt.
Die Türkei ist entschlossen, den vor 98 Jahren eingeleiteten Modernisierungsprozess auf die höchste Ebene zu bringen, indem sie die Standards der Demokratie und der Menschenrechte anhebt. Die von unserem Land verabschiedete Strategie zur Justizreform und der Aktionsplan für Menschenrechte sind die konkretesten Schritte, die in letzter Zeit in diesem Bereich unternommen wurden.
Sehr verehrte Gäste,
Zwischen Deutschland und der Türkei bestehen historische, mehrdimensionale politische, wirtschaftliche, kulturelle, wissenschaftliche und menschliche Beziehungen.
Unsere Beziehungen zu Deutschland reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Das Freundschafts-, See- und Handelsabkommen zwischen Sultan Mustafa dem Dritten (III) und Friedrich dem Großen wurde 1761 unterzeichnet. Anschließend wurden 1763 gegenseitig Botschaften in Berlin und Istanbul eröffnet.
Aus dem letzten Artikel von Prof. Dr. Paul Leidinger, Historiker und ehemaliger Präsident der Deutsch-Türkischen Gesellschaft, geht hervor, dass die Westfälische Wilhelms Universität Münster seit dem 19. Jahrhundert das Zentrum der deutsch-türkischen Beziehungen im Bereich der Wissenschaft ist.
Gegenwärtig ist Deutschland der größte Handelspartner sowie der größte Exportmarkt der Türkei.
Am 14. Oktober 2021 wurde bei der Sitzung des „Gemeinsamen Ausschusses für Wirtschaft und Handel“ zwischen der Türkei und Deutschland das Ziel festgelegt, unser bilaterales Handelsvolumen auf 50 Milliarden Dollar (43 Milliarden Euro) zu erhöhen.
In diesem Zusammenhang pflegen wir als Generalkonsulat und der Handelsabteilung beim türkischen Generalkonsulat in Düsseldorf den Kontakt zur Industrie- und Handelskammer Nordwestfalen (IHK) in Münster, um die bilateralen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen weiterhin auszubauen.
Natürlich bringt die Verpflechtung und Vielschichtigkeit unserer bilateralen Beziehungen sowohl Chancen als auch einige Herausforderungen mit sich. Auch wenn von Zeit zu Zeit Probleme auftreten, sind beide Seiten stets gewillt, sich mit diesen auseinanderzusetzen und sie zu lösen.
Unsere in allen Bereichen intensive Zusammenarbeit beschränkt sich nicht nur auf den bilateralen Rahmen, sondern umfasst auch multilaterale Plattformen.
Unsere Länder tragen vor allem durch eine enge Zusammenarbeit in wichtigen Plattformen wie Vereinte Nationen, Europarat, NATO, G20 und OSZE zum internationalen Frieden und zur Stabilität bei.
Neben all diesen Plattformen ist die Türkei weiterhin daran bemüht, auch die EU dazu zählen zu können.
Auf der anderen Seite leisten die Türkei und Deutschland ihren konstruktiven Beitrag angesichts der Risiken und Herausforderungen, die die Menschheit bedrohen. Denn die jüngste Pandemie, Migrationskrise, Überschwemmungen und Brände zwingen uns dazu. Falls die globale Erderwärmung nicht gestoppt werden kann, ist es eine wissenschaftliche Tatsache, dass diese Probleme in Zukunft stark zunehmen werden.
Vor diesem Hintergrund hat unser Land kürzlich das Pariser Klimaabkommen und die Europäische Grüne Agenda ratifiziert und damit gezeigt, dass es an jedem Schritt zum Wohle der Menschheit mitwirkt.
Sehr verehrte Gäste,
Wie Sie wissen, jährt sich morgen das deutsch-türkische Anwerbeabkommen zum 60. Mal. Das am 30. Oktober 1961 unterzeichnete Abkommen bildet die Grundlage unserer menschlichen Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland. Sie ist auch der Hauptgrund für die Gründung unseres Generalkonsulats, das seit 1982 in Münster besteht.
Unsere Landsleute, die vor 60 Jahren als „Gastarbeiter“ nach Deutschland kamen, arbeiteten unter harten Bedingungen und trugen zum Wiederaufbau Deutschlands bei. Mit den von ihnen überwiesenen Devisen leisteten sie auch zu der türkischen Wirtschaft maßgeblich bei. Aus diesem Grund möchte ich unseren Landsleuten der ersten Generation, die nach Deutschland gekommen sind, um ihre Familien in der Türkei finanziell zu unterstützen, meinen besonderen Respekt aussprechen.
Aus diesem Anlass, möchten wir Ihnen als Generalkonsulat einige der im „Ruhr Museum“ in Essen ausgestellten Fotografien des verstorbenen renommierten türkischen Fotografen, Ergun Çağatay zeigen. Die noch bis morgen zu besichtigende Sonderausstellung „Wir sind von hier“ durchleuchtet das Leben türkischer Einwanderer der ersten und zweiten Generation in Deutschland der 90‘er Jahre.
Auch der Bundespräsident, Frank Walter Steinmeier, nannte in seiner Rede zum
60. Jahrestag des Anwerbeabkommens mit der Türkei, dass die in Deutschland lebende türkische Gesellschaft Teil dieses Landes sei, die maßgeblich zum heutigen Wohlstand dieses Landes beigetragen habe. Er erinnerte auch an die Massaker in Mölln, Solingen und Hanau sowie an die NSU-Morde und unterstrich, dass Fremdenfeindlichkeit und Hass keinen Platz in Deutschland haben.
Die genannten Äußerungen des Bundespräsidenten halten wir für wichtig und schätzen diese. Insbesondere nach der Ermordung des Regierungspräsidenten, Walter Lübcke in Kassel und den Anschlägen in Halle und Hanau begrüßen wir, dass die deutschen Behörden den Kampf gegen Rechtsextremismus zu ihrer Priorität gesetzt haben und dass sich ein Bewusstsein in dieser Angelegenheit in der Öffentlichkeit entwickelt.
Zum Gedenken an die Opfer des sogenannten NSU und weiterer rassistisch motivierter Gewalttaten wurden im August 2021 in Ahlen an einer Gedenkstätte Bäume eingepflanzt. Den Anstoß zur Umsetzung der Kampagne „10+1 Bäume für die Opfer des NSU“ gab der Landesintegrationsrat NRW. Dem Ahlener Bürgermeister, Dr. Alexander Berger, der heute durch seinen Stellvertreter Herrn Serhat Ulusoy vertreten wird und den Deutsch-Türkischen Vereinen möchte ich für Ihre Unterstützung dieses Projekts danken. Ich hoffe, dass ähnliche Projekte auch in anderen Städten zustande kommen.
Ich glaube, dass wir beim Kampf gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Islamophobie und Diskriminierung gemeinsam mehr Erfolge erzielen können.
Sehr verehrte Gäste,
es erfüllt uns mit Freude zu beobachten, dass aus den mehr als 3 Millionen türkischstämmigen Landsleuten in Deutschland viele erfolgreiche Akademiker, Wissenschaftler, Geschäftsleute, Politiker und Sportler heranwachsen.
Diese Beispiele, deren Zahl stetig steigt, zeigen uns, was Türken alles erreichen können, wenn Ihnen die Gelegenheit dazu gegeben wird. Wie z. B. die Herzchirurgin, Dr. Dilek Gürsoy, die 2019 zur „Medizinerin des Jahres“ gekürt wurde, ist nun gemeinsam mit Prof. Dr. Martin Winter, Batterieforscher an der Universität Münster, zu Einheitsbotschafterin und zum Einheitsbotschafter des Landes Nordrhein-Westfalen ernannt. Auch die Tatsache, dass diese Woche die erfahrene Politikerin Aydan Özoğuz zur Vizepräsidentin des Bundestages gewählt wurde, ist eine erfreuliche Entwicklung.
Und das offensichtlichste Beispiel sind die beiden türkischstämmigen Wissenschaftler und Gründer des Unternehmens BionTech, Prof. Dr. Uğur Şahin und Dr. Özlem Türeci, die sowohl in Deutschland (Paul Ehrlich und Ludwig Darmstädter Institut) als auch weltweit viele Auszeichnungen für Ihre beispiellose Leistung bei der Entwicklung des Covid-19-Impfstoffes erhalten haben.
Ich möchte Ihnen gerne den Eintrag der genannten Wissenschaftler, die sie beim Besuch des Geburtsortes Atatürks, dem Gründer der Republik Türkei, in Thessaloniki am 13. Oktober ins Gästebuch eintrugen, vortragen: „Wir schließen uns den weisen Worten Atatürks an – „Der beste Wegweiser auf der Welt, ist die Wissenschaft„-.
Angesichts dieser beeindruckenden Worte Atatürks ist es unsere oberste Priorität als türkische Behörden sicherzustellen, dass unsere in Deutschland aufwachsenden Jugendlichen sowohl die Deutsche als auch die Türkische Sprache gut beherrschen, eine gute Bildung erhalten und einen Beruf erwerben, damit sie für beide Gesellschaften sowie die Menschheit als wertvolle Individuen hervorgehen können.
Dafür sind wir stets bemüht, gemeinsame Projekte mit Deutsch-Türkischen Vereinen sowie den kommunalen Behörden zu verwirklichen.
In diesem Zusammenhang möchte ich mich bei den Vertretern der Stadt Ahlen für die Unterstützung unseres im letzten Jahr in Ahlen gestarteten Nachhilfeunterrichtsprojekts in Deutsch, Englisch und Mathematik, bedanken.
Im letzten Teil meiner Rede möchte ich, mit Ihrer Erlaubnis auf Türkisch fortfahren. Unsere deutschen Gäste können die Übersetzung meiner Rede an der Leinwand mitverfolgen.
******
Sehr verehrte Landsleute,
heute feiern wir mit Stolz sowohl in unserem Land als auch in unseren Auslandsvertretungen den 98. Jahrestag der Gründung unserer Republik.
Mit den Worten „Die dem Charakter und den Sitten der türkischen Nation am besten entsprechende Verwaltung ist die der Republik“, hinterließ Atatürk uns diese Republik als Erbe. Es ist unsere gemeinsame Pflicht und Verantwortung diese verdient zu verstehen, zu wahren und zu verinnerlichen sowie die Errungenschaften unserer Republik und unserer Demokratie zu schützen.
Bei dieser Gelegenheit gedenken wir in tiefer Dankbarkeit erneut Mustafa Kemal Atatürk, dem Gründer der Republik Türkei sowie allen Staatsmännern und Märtyrern, die für die Unabhängigkeit der Türkei und beim Kampf gegen den Terrorismus Ihr Leben ließen.
Sie, unsere verehrten Landsleute, die vor 60 Jahren nach Deutschland kamen, und unter schwierigen Bedingungen arbeiteten, haben damals zum Wiederaufbau dieses Landes beigetragen. Auch heute leisten Sie noch mit den von Ihnen gegründeten Vereinen und Ihren sozialen und kulturellen Aktivitäten, einen wichtigen Beitrag zum sozialen und friedlichen Zusammenleben in Deutschland.
Schließlich haben sie mit Ihren Hilfsaktionen für die Opfer der Flutkatastrophen sowohl in Deutschland als auch in der Türkei sowie der Unterstützung der Covid-19 Impfkampagnen, einmal mehr bewiesen, dass Sie ein fester Bestandteil dieser Gesellschaft sind.
Auch stellen Sie als türkische Gesellschaft in Deutschland trotz bestehender Probleme wie Rassismus, Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Islamophobie ein erfolgreiches Beispiel für ein harmonisches Miteinander dar, ohne Ihr Zugehörigkeitsgefühl und Ihre Achtung für beide Gesellschaften zu verlieren. Wir schätzen Ihre Bemühungen und sind stolz auf Ihre Leistungen.
********
Zum Abschluss meiner Rede möchte ich den deutschen Behörden und Deutsch-Türkischen Vereinen danken, dass sie in Bezug auf die türkische Gesellschaft soziale und kulturelle Aktivitäten ehrenamtlich durchführen, die zur Entwicklung der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern beitragen.
Als Generalkonsulat werden wir auch weiterhin zum Ausbau der deutsch-türkischen Beziehungen beitragen.
Außerdem möchte ich mich bei Azize Karakuzu für ihre musikalischen Beiträge am heutigen Abend bedanken.
Abschließend möchte ich allen Mitgliedern unseres Generalkonsulats meinen Dank für ihre wertvolle Arbeit aussprechen.
Ich möchte auch allen unseren Gästen dafür danken, dass Sie uns durch Ihre Teilnahme an unserem Nationalfeiertag geehrt haben.
Sehr geehrter Stellvertretender Landrat des Kreises Paderborn, Herr Hans-Bernd Janzen,
Sehr geehrter Leitender Regierungsschuldirektor Herr Hermann Voss,
Sehr geehrter Bürgermeister der Stadt Münster, Herr Klaus Rosenau,
Sehr verehrter Stellvertretender Bürgermeister der Stadt Ahlen, Herr Serhat Ulusoy,
Sehr verehrter Geschäftsführer des Münster/Osnabrück Flughafens Herr Prof. Dr. Rainer Schwarz,
Meine sehr verehrten Mitglieder der türkischen Gesellscahft,
Sehr verehrte Mitglieder der Syrisch-Orthodoxen Gemeinde,
Sehr geehrte deutsche Freunde,
Sehr verehrte Mitarbeiter:innen unseres Generalkonsulats,
Meine Damen und Herren,
Zu unserem Empfang anlässlich des 98. Jahrestages der Gründung der Republik Türkei heiße ich Sie alle mit meiner Frau Katina recht herzlich willkommen.
Leider konnten wir unseren Nationalfeiertag im vergangenen Jahr aufgrund der weltweiten Covid-19-Pandemie nicht gemeinsam begehen. Dank des wissenschaftlichen Fortschritts im Kampf gegen die Epidemie freuen wir uns sehr, in diesem Jahr mit Ihnen, unseren verehrten Landsleuten und deutschen Freunden, wieder zusammen zu sein.
Der 29. Oktober 1923 ist für uns Türken nicht nur ein Gründungsdatum der Türkischen Republik. Der 29. Oktober ist die Geburtsstunde eines neuen Staates, der seine Fundamente auf jahrtausender langer historischer und kultureller Werte aufbaut, und der die erneute Auferstehung einer Nation nach dem Unabhängigkeitskrieg besiegelt.
Der 29. Oktober 1923 ist auch der Beginn der Gründung der modernen Türkischen Republik und der Schritte zur Modernisierung, ebenso wie das Jahr 1648, das als Beginn der Neuzeit in Europa gilt. Insofern finde ich es bedeutsam, unseren Tag der Republik an diesem historischen Ort der Unterzeichnung des Westfälischen Friedens von 1648 zu feiern, und möchte insbesondere der Stadt Münster für diese Gelegenheit meinen Dank aussprechen.
Die Türkei, die bei ihrer Gründung nur 13 Millionen Einwohner zählte, hat sich zu einem starken und wohlhabenden Land mit einer jungen und gebildeten Bevölkerung von 84 Millionen, wettbewerbsfähigen Arbeitskräften, einem dynamischen Privatsektor und einer Infrastruktur entwickelt.
Die Türkei ist entschlossen, den vor 98 Jahren eingeleiteten Modernisierungsprozess auf die höchste Ebene zu bringen, indem sie die Standards der Demokratie und der Menschenrechte anhebt. Die von unserem Land verabschiedete Strategie zur Justizreform und der Aktionsplan für Menschenrechte sind die konkretesten Schritte, die in letzter Zeit in diesem Bereich unternommen wurden.
Sehr verehrte Gäste,
Zwischen Deutschland und der Türkei bestehen historische, mehrdimensionale politische, wirtschaftliche, kulturelle, wissenschaftliche und menschliche Beziehungen.
Unsere Beziehungen zu Deutschland reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Das Freundschafts-, See- und Handelsabkommen zwischen Sultan Mustafa dem Dritten (III) und Friedrich dem Großen wurde 1761 unterzeichnet. Anschließend wurden 1763 gegenseitig Botschaften in Berlin und Istanbul eröffnet.
Aus dem letzten Artikel von Prof. Dr. Paul Leidinger, Historiker und ehemaliger Präsident der Deutsch-Türkischen Gesellschaft, geht hervor, dass die Westfälische Wilhelms Universität Münster seit dem 19. Jahrhundert das Zentrum der deutsch-türkischen Beziehungen im Bereich der Wissenschaft ist.
Gegenwärtig ist Deutschland der größte Handelspartner sowie der größte Exportmarkt der Türkei.
Am 14. Oktober 2021 wurde bei der Sitzung des „Gemeinsamen Ausschusses für Wirtschaft und Handel“ zwischen der Türkei und Deutschland das Ziel festgelegt, unser bilaterales Handelsvolumen auf 50 Milliarden Dollar (43 Milliarden Euro) zu erhöhen.
In diesem Zusammenhang pflegen wir als Generalkonsulat und der Handelsabteilung beim türkischen Generalkonsulat in Düsseldorf den Kontakt zur Industrie- und Handelskammer Nordwestfalen (IHK) in Münster, um die bilateralen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen weiterhin auszubauen.
Natürlich bringt die Verpflechtung und Vielschichtigkeit unserer bilateralen Beziehungen sowohl Chancen als auch einige Herausforderungen mit sich. Auch wenn von Zeit zu Zeit Probleme auftreten, sind beide Seiten stets gewillt, sich mit diesen auseinanderzusetzen und sie zu lösen.
Unsere in allen Bereichen intensive Zusammenarbeit beschränkt sich nicht nur auf den bilateralen Rahmen, sondern umfasst auch multilaterale Plattformen.
Unsere Länder tragen vor allem durch eine enge Zusammenarbeit in wichtigen Plattformen wie Vereinte Nationen, Europarat, NATO, G20 und OSZE zum internationalen Frieden und zur Stabilität bei.
Neben all diesen Plattformen ist die Türkei weiterhin daran bemüht, auch die EU dazu zählen zu können.
Auf der anderen Seite leisten die Türkei und Deutschland ihren konstruktiven Beitrag angesichts der Risiken und Herausforderungen, die die Menschheit bedrohen. Denn die jüngste Pandemie, Migrationskrise, Überschwemmungen und Brände zwingen uns dazu. Falls die globale Erderwärmung nicht gestoppt werden kann, ist es eine wissenschaftliche Tatsache, dass diese Probleme in Zukunft stark zunehmen werden.
Vor diesem Hintergrund hat unser Land kürzlich das Pariser Klimaabkommen und die Europäische Grüne Agenda ratifiziert und damit gezeigt, dass es an jedem Schritt zum Wohle der Menschheit mitwirkt.
Sehr verehrte Gäste,
Wie Sie wissen, jährt sich morgen das deutsch-türkische Anwerbeabkommen zum 60. Mal. Das am 30. Oktober 1961 unterzeichnete Abkommen bildet die Grundlage unserer menschlichen Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland. Sie ist auch der Hauptgrund für die Gründung unseres Generalkonsulats, das seit 1982 in Münster besteht.
Unsere Landsleute, die vor 60 Jahren als „Gastarbeiter“ nach Deutschland kamen, arbeiteten unter harten Bedingungen und trugen zum Wiederaufbau Deutschlands bei. Mit den von ihnen überwiesenen Devisen leisteten sie auch zu der türkischen Wirtschaft maßgeblich bei. Aus diesem Grund möchte ich unseren Landsleuten der ersten Generation, die nach Deutschland gekommen sind, um ihre Familien in der Türkei finanziell zu unterstützen, meinen besonderen Respekt aussprechen.
Aus diesem Anlass, möchten wir Ihnen als Generalkonsulat einige der im „Ruhr Museum“ in Essen ausgestellten Fotografien des verstorbenen renommierten türkischen Fotografen, Ergun Çağatay zeigen. Die noch bis morgen zu besichtigende Sonderausstellung „Wir sind von hier“ durchleuchtet das Leben türkischer Einwanderer der ersten und zweiten Generation in Deutschland der 90‘er Jahre.
Auch der Bundespräsident, Frank Walter Steinmeier, nannte in seiner Rede zum
60. Jahrestag des Anwerbeabkommens mit der Türkei, dass die in Deutschland lebende türkische Gesellschaft Teil dieses Landes sei, die maßgeblich zum heutigen Wohlstand dieses Landes beigetragen habe. Er erinnerte auch an die Massaker in Mölln, Solingen und Hanau sowie an die NSU-Morde und unterstrich, dass Fremdenfeindlichkeit und Hass keinen Platz in Deutschland haben.
Die genannten Äußerungen des Bundespräsidenten halten wir für wichtig und schätzen diese. Insbesondere nach der Ermordung des Regierungspräsidenten, Walter Lübcke in Kassel und den Anschlägen in Halle und Hanau begrüßen wir, dass die deutschen Behörden den Kampf gegen Rechtsextremismus zu ihrer Priorität gesetzt haben und dass sich ein Bewusstsein in dieser Angelegenheit in der Öffentlichkeit entwickelt.
Zum Gedenken an die Opfer des sogenannten NSU und weiterer rassistisch motivierter Gewalttaten wurden im August 2021 in Ahlen an einer Gedenkstätte Bäume eingepflanzt. Den Anstoß zur Umsetzung der Kampagne „10+1 Bäume für die Opfer des NSU“ gab der Landesintegrationsrat NRW. Dem Ahlener Bürgermeister, Dr. Alexander Berger, der heute durch seinen Stellvertreter Herrn Serhat Ulusoy vertreten wird und den Deutsch-Türkischen Vereinen möchte ich für Ihre Unterstützung dieses Projekts danken. Ich hoffe, dass ähnliche Projekte auch in anderen Städten zustande kommen.
Ich glaube, dass wir beim Kampf gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Islamophobie und Diskriminierung gemeinsam mehr Erfolge erzielen können.
Sehr verehrte Gäste,
es erfüllt uns mit Freude zu beobachten, dass aus den mehr als 3 Millionen türkischstämmigen Landsleuten in Deutschland viele erfolgreiche Akademiker, Wissenschaftler, Geschäftsleute, Politiker und Sportler heranwachsen.
Diese Beispiele, deren Zahl stetig steigt, zeigen uns, was Türken alles erreichen können, wenn Ihnen die Gelegenheit dazu gegeben wird. Wie z. B. die Herzchirurgin, Dr. Dilek Gürsoy, die 2019 zur „Medizinerin des Jahres“ gekürt wurde, ist nun gemeinsam mit Prof. Dr. Martin Winter, Batterieforscher an der Universität Münster, zu Einheitsbotschafterin und zum Einheitsbotschafter des Landes Nordrhein-Westfalen ernannt. Auch die Tatsache, dass diese Woche die erfahrene Politikerin Aydan Özoğuz zur Vizepräsidentin des Bundestages gewählt wurde, ist eine erfreuliche Entwicklung.
Und das offensichtlichste Beispiel sind die beiden türkischstämmigen Wissenschaftler und Gründer des Unternehmens BionTech, Prof. Dr. Uğur Şahin und Dr. Özlem Türeci, die sowohl in Deutschland (Paul Ehrlich und Ludwig Darmstädter Institut) als auch weltweit viele Auszeichnungen für Ihre beispiellose Leistung bei der Entwicklung des Covid-19-Impfstoffes erhalten haben.
Ich möchte Ihnen gerne den Eintrag der genannten Wissenschaftler, die sie beim Besuch des Geburtsortes Atatürks, dem Gründer der Republik Türkei, in Thessaloniki am 13. Oktober ins Gästebuch eintrugen, vortragen: „Wir schließen uns den weisen Worten Atatürks an – „Der beste Wegweiser auf der Welt, ist die Wissenschaft„-.
Angesichts dieser beeindruckenden Worte Atatürks ist es unsere oberste Priorität als türkische Behörden sicherzustellen, dass unsere in Deutschland aufwachsenden Jugendlichen sowohl die Deutsche als auch die Türkische Sprache gut beherrschen, eine gute Bildung erhalten und einen Beruf erwerben, damit sie für beide Gesellschaften sowie die Menschheit als wertvolle Individuen hervorgehen können.
Dafür sind wir stets bemüht, gemeinsame Projekte mit Deutsch-Türkischen Vereinen sowie den kommunalen Behörden zu verwirklichen.
In diesem Zusammenhang möchte ich mich bei den Vertretern der Stadt Ahlen für die Unterstützung unseres im letzten Jahr in Ahlen gestarteten Nachhilfeunterrichtsprojekts in Deutsch, Englisch und Mathematik, bedanken.
Im letzten Teil meiner Rede möchte ich, mit Ihrer Erlaubnis auf Türkisch fortfahren. Unsere deutschen Gäste können die Übersetzung meiner Rede an der Leinwand mitverfolgen.
******
Sehr verehrte Landsleute,
heute feiern wir mit Stolz sowohl in unserem Land als auch in unseren Auslandsvertretungen den 98. Jahrestag der Gründung unserer Republik.
Mit den Worten „Die dem Charakter und den Sitten der türkischen Nation am besten entsprechende Verwaltung ist die der Republik“, hinterließ Atatürk uns diese Republik als Erbe. Es ist unsere gemeinsame Pflicht und Verantwortung diese verdient zu verstehen, zu wahren und zu verinnerlichen sowie die Errungenschaften unserer Republik und unserer Demokratie zu schützen.
Bei dieser Gelegenheit gedenken wir in tiefer Dankbarkeit erneut Mustafa Kemal Atatürk, dem Gründer der Republik Türkei sowie allen Staatsmännern und Märtyrern, die für die Unabhängigkeit der Türkei und beim Kampf gegen den Terrorismus Ihr Leben ließen.
Sie, unsere verehrten Landsleute, die vor 60 Jahren nach Deutschland kamen, und unter schwierigen Bedingungen arbeiteten, haben damals zum Wiederaufbau dieses Landes beigetragen. Auch heute leisten Sie noch mit den von Ihnen gegründeten Vereinen und Ihren sozialen und kulturellen Aktivitäten, einen wichtigen Beitrag zum sozialen und friedlichen Zusammenleben in Deutschland.
Schließlich haben sie mit Ihren Hilfsaktionen für die Opfer der Flutkatastrophen sowohl in Deutschland als auch in der Türkei sowie der Unterstützung der Covid-19 Impfkampagnen, einmal mehr bewiesen, dass Sie ein fester Bestandteil dieser Gesellschaft sind.
Auch stellen Sie als türkische Gesellschaft in Deutschland trotz bestehender Probleme wie Rassismus, Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Islamophobie ein erfolgreiches Beispiel für ein harmonisches Miteinander dar, ohne Ihr Zugehörigkeitsgefühl und Ihre Achtung für beide Gesellschaften zu verlieren. Wir schätzen Ihre Bemühungen und sind stolz auf Ihre Leistungen.
********
Zum Abschluss meiner Rede möchte ich den deutschen Behörden und Deutsch-Türkischen Vereinen danken, dass sie in Bezug auf die türkische Gesellschaft soziale und kulturelle Aktivitäten ehrenamtlich durchführen, die zur Entwicklung der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern beitragen.
Als Generalkonsulat werden wir auch weiterhin zum Ausbau der deutsch-türkischen Beziehungen beitragen.
Außerdem möchte ich mich bei Azize Karakuzu für ihre musikalischen Beiträge am heutigen Abend bedanken.
Abschließend möchte ich allen Mitgliedern unseres Generalkonsulats meinen Dank für ihre wertvolle Arbeit aussprechen.
Ich möchte auch allen unseren Gästen dafür danken, dass Sie uns durch Ihre Teilnahme an unserem Nationalfeiertag geehrt haben.
Mehmet Özgün Arman
Başkonsolos
Pazartesi - Cuma
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Konsolosluk Şubesi Randevu İşlem Saatleri: 09:00-12:00/13:00-16:00 E-Devlet Şifresi, Adres Beyanı, Tebligat Teslimi, Tercüme Tasdiki ve İmza/Mühür Tasdiki için randevuya gerek bulunmamaktadır. Pasaport, Kimlik Kartı, Mavi Kart ve Sürücü Belgesi teslimatı: Hafta içi hergün, 9:00-12:00 ve 13:00-16:00 saatleri arasında yapılmaktadır. Diğer işlemler için; https://www.konsolosluk.gov.tr/ web sitesi üzerinden randevu alınması gerekmektedir.
Tatil Günleri 2026
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| 16.02.2026 | Karnaval | |
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